Dankbarkeit und Sattsein

Dankbarkeit Sattsein Kostbar-Zeit

Dankbarkeit, Sattsein und Genügsamkeit als Quelle der Zufriedenheit

Genügsamkeit hört sich für viele bestimmt furchtbar an. Es klingt nach Verzicht, Freudlosigkeit und Kasteiung.

 

Dabei ist ganz das Gegenteil der Fall. In „Ich habe die Macht“ habe ich darüber geschrieben, wie mächtig wir sind, wenn wir unseren Fokus vom Mangel auf die Fülle richten, wenn wir nur erkennen würden, was wir alles besitzen. Anstatt darüber zu klagen, was uns (angeblich) alles fehlt…

 

…könnten wir anfangen, uns darauf besinnen und klarzumachen, wie reich wir in Wahrheit sind. Durch diese Blickveränderung kommen wir aus dem Gefühl des Mangels in ein Gefühl des Überflusses. Aus Klage wird Dankbarkeit.

Ganz klar sei auch hier darauf hingewiesen, dass ich keine Freundin von Sarazzins „Pullover drüberziehen“ Mentalität bin: Die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse müssen immer erfüllt sein!

Mir geht es eher darum, negative Gedankenspiralen zu verlassen, in die wir schnell hineingeraten, weil wir unreflektiert auf einem Konsum-Zug reisen, der geradewegs in den Abgrund führt.

Natürlich lässt sich Konsum nicht vermeiden. Und Konsum ist auch nicht per se schlecht. Durch seine sinnliche Erfahrung erleben wir viele glückliche Eindrücke: Schmackhaftes Essen, angenehme und schützende Kleidung, Unterhaltung mittels Literatur, Filmen und Musik, Wohlbefinden durch Bewegung, Anregung durch Reisen usw.

Kosum Wir konsumieren von Geburt an und bis zum letzten Atemzug. Und das müssen wir auch, da wir sonst nicht überleben könnten. Das Problem beginnt da, wo wir durch den Konsum, den wir im JETZT erleben, nicht mehr zufriedengestellt sind.

 

 

 

 

Anstatt das JETZTige zu genießen, denken wir schon an das nächste, was wir haben möchten. Ich beobachte das oft an mir, wenn ich etwas besonders Leckeres esse. Noch während ich die Gabel zum Mund führe, wandert mein Blick schon zum nächsten Happen. Ich habe noch nicht einmal gekaut und runtergeschluckt und schon wieder meinen Teller vollgehäuft.

Und das ist nicht nur so, wenn ich mit meinen fünf Geschwistern am Tisch sitze, oder in Mallorca am Buffet stehe. Auch wenn ich ganz alleine bin und mir niemand etwas wegessen kann, neige ich dazu, die Speisen hastig in mich hineinzuschlingen und dabei immer schon den nächsten Bissen im Blick zu haben.

Genuss und MangelBedauerlicherweise bringe ich mich aber damit um den GENUSS dessen, was ich JETZT gerade im Mund habe.

Genau dieses „Woanders-Sein“ wird zum Problem. Nichts von dem, was ich habe reicht aus, mich zufriedenzustellen, meine Gedanken wandern ständig zu dem, was ich noch nicht besitze. Und schon bin ich in einem Kreislauf der Unzufriedenheit und dem Gefühl des Mangels.

 

Dass äußere Umstände und Materie nicht die Qualität besitzen, uns zu dauerhaftem Glück zu verhelfen, habe ich ebenfalls schon beschrieben. Aber auch große Erkenntnisse versickern allzu gern in dem täglichen Einerlei unserer Geschäftigkeit!

Gerade erst gestern wurde das wieder glasklar bewusst. Ich war –wieder einmal –beim Aufräumen. Innerlich quengelnd lief ich durch meine Wohnung herum. Nichts wollte mir mehr gefallen. Nichts machte mich glücklich. Alle einst so heiß ersehnten Gegenstände erscheinen mir nun doof, schäbig und wertlos. Da ich aber in einer Dispo-Krise bin, war ich auch nicht in der Lage, alles neu, weiß, glitzernd und glänzend zu kaufen und mich dadurch des unguten Gefühls zu entledigen. (Shop Dich glücklich?)

Stattdessen brachte ich das Altglas weg. Am Flaschencontainer stand ein ausrangierter Toaster, vollkommen funktionsfähig, aber dennoch aussortiert. „Dieser Toaster ist Materie gewordener Frust.“ fiel es mir plötzlich auf. „Ist es nicht absurd, etwas Heiles wegzuwerfen, nur um es durch einen fast identischen Gegenstand wieder zu ersetzen?“

-Keine Sorge, Ladies, das bezieht sich natürlich nicht auf die neuste Mode. Handtaschen und Schuhe kann man nie genug besitzen 🙂

Natürlich ist es vollkommen in Ordnung, einen aus der Mode gekommenen Rock oder ein paar Schuhe gegen das neuste Modell auszutauschen. Das gehört zu dem Theaterstück Leben, in dem wir mitspielen.

Gegen das Austauschen von Dingen ist im Prinzip ja nichts einzuwenden. Aber die permanente Sehnsucht und der unstillbare Durst nach dem anderem, führen uns in einen Zustand des ständigen Gequältseins, weil uns scheinbar immer etwas fehlt. Das ist zerstörerisch, dadurch wird Konsum zur Falle.

Ich glaube, dass es wichtig ist, den Druck aus der ganzen Sache herauszunehmen. Das quälende Gefühl der Unzufriedenheit loszuwerden. Das Leiden zu beenden, was entsteht, weil wir Materielles nicht besitzen.

Genügsamkeit ist das Gegenmittel dazu. Durch die Besinnung auf die Genügsamkeit durchschneidet man die Frustration, welche die Lebensqualität verdirbt.

314473_10151348557263146_519473644_nAuf mich bezogen heißt das: Anstatt auf die Rapunzeln des Nachbarn zu gucken und im Neid zu verbrennen, blicke ich auf die Fülle und den Reichtum in meinem eigenen Garten. Ich versuche, das zu würdigen was IST. Den Moment anzunehmen, in dem ich BIN. Materie und der Wunsch nach immer mehr Materie führen uns von dem Moment weg, in dem wir gerade SIND. Wenn wir aber immer nur woanders sind, verpassen wir aber unser Leben, das JETZT gerade durch uns fließt.

Oder wie John Lennon es sagte:

“Life is what happens to you while you are busy making other plans”

Foto: Malte Klauck

Foto: Malte Klauck

Isabel Lenuck ist Autorin und Tibetologin. Sie arbeitet unter anderem am Völkerkundemuseum Hamburg. http://isabel-lenuck.de/blog/

3 Gedanken zu „Dankbarkeit und Sattsein

    • silkeschippmann sagt:

      Danke, liebe Maria,
      es freut mich sehr, das von dir zu hören! Wobei der Artikel von der lieben Isabel ist – aber sie freut sich doppelt!
      Herzliche Grüße und schönes Wochenende
      Silke

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