Ich Mörder und Betrüger

Mörder Gegenmittel Kostbar-zeitIch Mörder und  Betrüger, jetzt  hole ich mich hier raus!

„Hände hoch, oder ich schieße!“ schrie das Gewissen und stellte mich an die Wand. Das Spiel war aus. Ich hatte keine Chance mehr zu entkommen, keine Möglichkeit mehr, mich hier irgendwie rauszuwinden. Vor mir standen all meine schlechten Taten und blickten mich unumwunden an. Die aufgegessenen Tiere, die kleinen und großen Notlügen, die kleinen und großen Betrügereien, die kleinen und großen Ehebrüche, die heftigen und weniger heftigen Wutausbrüche, die Zockereien und Diebstähle, kurz: All die von mir versursachten Ungerechtigkeiten. Mir wurde heiß und kalt. In diesem Augenblick war ich ganz ehrlich zu mir und wusste, dass es die Wahrheit ist. Ich habe mich oft wie ein Mörder und Betrüger verhalten, gestohlen und gemordet, betrogen und gelogen.

Aber man muss sich wie ein Mörder und Betrüger verhalten, um in dieser Welt zu überleben!“ raunt mir mein Anwalt ins Ohr. Darauf will er die Verteidigung aufbauen.

Doch der Staatsanwalt sieht das ganz anders. Er führt anhand einer langen Beweisliste auf, dass viele Verbrechen aufgrund meiner Unwissenheit, Bequemlichkeit und niederen Beweggründen wir Hass und Gier begangen wurden. Mein Kopf sinkt tiefer. Ich weiß, dass das stimmt. Und nun?

Der Richter ist ein weiser und gütiger Mensch. Er fragt mich, ob ich meine Taten bereue. Ich nicke. „Gut!“ sagt er. „Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Wenn Sie versehentlich Gift eingenommen hätten, würden Sie das auch sehr bereuen. Anstatt in Erinnerungen an die Einnahme zu schwelgen würden sie schnellstens ein Gegenmittel einnehmen.“

Ich wage den Kopf wieder etwas zu heben. „Jammern und sich mies fühlen nützt nicht wirklich etwas. Handlen Sie lieber! Sie müssen von nun an die negativen Handlungen, die Sie begangen haben, durch Gegenkräfte wiedergutmachen. Sie sollten nicht bloß bereuen, sondern Ihre Vorsätze, dergleichen nicht wieder zu begehen kraftvoll in die Tat umsetzen. Seien Sie dabei zielstrebig und energisch, aber auch voller Güte sich selbst gegenüber. Eingefahrene Gewohnheiten lassen sich nicht über Nacht verändern. Der stete Tropfen höhlt den Stein!“

Er schiebt mir einen task force-Plan der Gegenmittel rüber. Auf diesem steht:

  • Wutausbruch? Ab jetzt mit großer Disziplin Geduld üben.
  • Unfreundlichkeit? Ab jetzt konsequent freundlich sein (auch in Gedanken).
  • Diebstähle, Tricksereien? Ab jetzt absolut ehrlich sein, Dinge ins Reine bringen, Sachen zurückgeben.
  • In der Firma was mitgehen lassen? Wiedergutmachung durch Überstunden, Kaffeekassenspende, Arbeitseifer.
  • Geizhals? Ab jetzt immer ein paar Münzen für Bettler dabeihaben und konsequent Großzügigkeit üben.
  • Umweltverschmutzung durch endlose Coffee-to-go-Becher? Schicken Mehrwegbecher kaufen.
  • Fleisch ohne Ende? Ab jetzt sich bewusst machen, dass dafür tatsächlich jemand stirbt und man die Verantwortung dafür trägt. Fleischerzeugung schädigt die Umwelt, dreht unseren Kinder die Luft ab. Deswegen: WENIG und BEWUSST Fleisch konsumieren (wenn notwendig)
  • Gedankenloser Umgang mit Mitmenschen? Ab jetzt konsequent darauf achten, wo man helfen kann (Platz anbieten, nicht drängeln, Pakete für die Nachbarn annehmen, sich über Lärm der anderen nicht aufregen usw.)

Prägungen kostbar-ZeitDiese Liste lässt sich endlos fortsetzen. Es ist sehr wichtig, sich seiner Handlungen bewusst zu werden, denn sie hinterlassen Spuren und Prägungen. Auf dem Planeten. In unseren Mitmenschen. In uns selbst. Eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen schafft für einen selbst und andere Unglück. Wenn wir selbst Wohlstand und Glück erlangen wollen, müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen.

Es ist keine Problem, nach Reichtum und Wohlstand zu streben. Reiche Menschen können sehr viel Gutes bewirken. Aber wir sollten uns genau überlegen, auf welcher Basis wir diesen Reichtum erreichen wollen. Wäre es nicht geradezu absurd von einem Vorhaben, das auf betrügerischen Grundlagen fußt zu erwarten, dass es Wohlstand und Glück generiert?

Literaturtipp dazu: Die Weisheit des Diamanten. Buddhistische Prinzipien für beruflichen Erfolg und privates Glück. Dtv Verlag.

„Der buddhistische Mönch Geshe Michael Roach erzählt seine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte: Er beginnt als Laufbursche bei einer kleinen New Yorker Diamantenfirma und baut sie zuletzt als Vizepräsident zu einem 100 Millionen schweren Unternehmen auf.  Alles, was er auf diesem Weg tut, folgt strikt den Lehren des Buddhismus.“

Isabel Foto Malte Klauck Isabel Lenuck ist Autorin und Tibetologin. Sie arbeitet unter anderem am Völkerkundemuseum Hamburg. http://isabel-lenuck.de/blog/

2 Gedanken zu „Ich Mörder und Betrüger

  1. C.T. sagt:

    Wäre ein wundrbarer Traum, wenn Mörder, es gibt ja auch „Seelenmörder2 und Betrüger selbst
    reflektieren könnten und gar an Sühne und Wiedergutmachung denken würden….

    Wenn die Flüsse aufwärts fließen , die Sonne sich um die Erde dreht, ja dann , spätestens dann wird
    es so sein……Der Mensch wird sich selbst dazu bekehren ein „Besserer“ zu werden…..

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